Hier finden Sie neben dem Nachruf auch deutsche und französische Kritiken zu Mario Diaz Suarez

Malen bis zum letzten Tag

Zum Tod des Trierer Künstlers Mario Diaz Suarez

 

Nach schwerer Krankheit ist der Trierer Maler und Grafiker Mario Diaz Suarez im Alter von 73 Jahren gestorben. Der hoch angesehene, mehrfach ausgezeichnete Künstler war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der hiesigen Kunstszene.

 

 

„Wir Argentinier kommen von den Schiffen“, hat er einmal gesagt. „Wir sind immer unterwegs.“

Als Mario Diaz Suarez 1976 gleichsam in Trier andockte, war er schon viele Jahre unterwegs. Das Wissen von der weiten Welt, ihren Häfen und Horizonten, ihrer bunten Farben und ihrer Klangvielfalt hatte der Maler und Grafiker ebenso im Gepäck wie seine selbstvergessene Leidenschaft für die Kunst. Die verließ ihn nie. „Ich werde bis zum letzten Tag malen“, trotzte er, vom Leiden gezeichnet, noch der schweren Krankheit.

 

Im argentinischen Tucumän wurde Mario Diaz Suarez 1940 geboren. Nach dem Kunststudium zog es den jungen Maler ins aufregende, brodelnde Kunstbiotop New York. Von dort wechselte er ein paar Jahre später nach Paris. Aus Frankreich schlug er die Brücke nach Luxemburg und Trier.

Auch wenn er inzwischen längst mit Frau und Tochter in Trier beheimatet war: Die Sehnsucht nach der weiten Welt trieb Mario Diaz Suarez zeitlebens um. Nicht nur, dass seine Ausstellungsbiografie Kontinente und Kunstzentren verbindet. Er selbst blieb stets der Grenzgänger und Reisende zwischen den Kulturen, als der er einst aufgebrochen war.

 

Mitgründer der Kunstakademie

Was er an Wissen und Welterfahrung sammelte, ebenso wie seine Lebenslust und Herzlichkeit, teilte Mario Diaz Suarez großzügig. Bereits in Paris hatte er eine Künstlergruppe gegründet, in Luxemburg eine Sommerakademie mitgestaltet. In Trier gehörte er zu den Gründern der Europäischen Kunstakademie.

Das Schönste allerdings, das er teilte und worin er sich selbst mitteilte, waren seine Bilder. Nach Abstraktion, Pop Art und engagierter Kunst hatte Mario Diaz Suarez sein Zentrum in der Landschaftsmalerei gefunden. Mario Diaz Suarez‘ Landschaften sind wie ihr Schöpfer. Es sind Bilder

voller Empfindsamkeit, beseelt vom Fühlen und Erleben des Künstlers.

Die Bilder finden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen. Maßgeblich hat er die Kunstszene Triers und der Region, ihren privaten wie öffentlichen Raum mitgestaltet. Als neuere Projekte seien die Trierer Arena oder das Technologie-Zentrum genannt und sein allerletztes gestalterisches Projekt, die Trierer Kulturaktie 2013. Gemeinsam mit der Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst plante er zudem für September eine Retrospektive im Palais Walderdorff, wo er vor bald 40 Jahren zum ersten Mal ausgestellt hat. Nun werden die Bilder allein für ihn sprechen.

Mit Mario Diaz Suarez verlieren Trier und die Region einen ihrer wichtigsten und konsequentesten Künstler und einen aufgeschlossenen, weltläufigen und von tiefer Menschlichkeit geprägten Mitbürger und Freund. Ziel des Lebens sei es, so viel Welt als möglich zu erfassen und in das eigene Menschsein zu verwandeln, hat einst der Gelehrte Wilhelm von Humboldt befunden. Mario Diaz Suarez hat sein Ziel erreicht.

 

 

Eva Maria Reuther

Mi Camino

Eröffnung der Ausstellung von Mario Diaz Suarez am 10.6.2018 in Wittlich

 
Dr. Barbara Mikuda-Hüttel

 

 

 

`Mi Camino´, mein Weg, heißt diese Ausstellung. Sie könnte auch heißen `mein langer Weg´; nicht so sehr an Lebensjahren, denn Mario Diaz Suarez (1940-2013) verstarb vor fünf Jahren. Einen langen geographischen Weg durch Länder und Kontinente, aber auch durch künstlerische Welten, ist Mario Diaz Suarez gegangen: „Wir Argentinier“, so sagte er, „kommen von den Schiffen. Wir sind immer unterwegs“.

Im Ausstellungstitel `Mi Camino´ klingt bewusst das Motiv der Lebensreise an; einer Reise, in der sich der Reisende, der Suchende verändert, ja verwandelt.

In unserer europäischen Kultur hat diese Vorstellung eine lange Tradition. Die berühmteste Lebensreise der europäischen Literaturgeschichte ist die `Göttliche Komödie´ von Dante. Der Dichter hat der Reise durch die Irrungen und Wirrungen des Lebens überaus anschauliche, zeitlose Bilder verliehen: einen wilden Wald, einen Abgrund, einen Trichter als Bild der Hölle, einen Läuterungsberg und den Lichthimmel oder das Empyreum.

Auch Mario Diaz Suarez ist einen ereignisreichen Weg gegangen. Und selbst wenn er vielleicht nicht die Abgründe der Hölle gesehen hat, so doch hoffentlich den Lichthimmel.

Aber unser Thema ist der Künstler Mario Diaz Suarez; sein Lebensweg hat viele Kulturen gekreuzt, und auf dem langen Weg haben sich auch die Kunst und der Künstler gewandelt. Sein Weg begann am Fuße der Anden in Argentinien, wo er 1940 in San Miguel de Tucuman geboren wurde, in einer vom Duft der Orangenbäume durchzogenen Millionenstadt. Die Mutter ermöglichte dem Kind Zeichenunterricht, und schon als Zwölfjähriger besuchte der künstlerisch Hochbegabte die Schule der Schönen Künste in Tucuman. Mit sechzehn Jahren stellte er erstmals aus und erhielt bereits Preise. Zugeständnisse an die Vorstellungen des Vaters waren nötig; nämlich Unterweisungen auch im technischen Zeichnen.

Nach einem klassisch akademischen Kunststudium und Assistentenzeit an der Universität Tucuman führte den Maler ab 1965 eine mehrjährige Studienreise durch Lateinamerika, in die Karibik und schließlich in die USA. Seine Eindrücke hielt er unter anderem in der fotografischen Dokumentation `Eine Reise von Tucuman bis Caracas – Landschaft und Folklore: Brauchtum und Musik´ fest. Parallel bereitete er eine Publikation über südamerikanische Malerei vor, zu der es ebenso wenig kam wie zu einer endgültigen Rückkehr in seine Heimat. Zu interessiert war der junge Mann aus gutem Hause, der ohne Bankkonto und Krankenversicherung auszog und sich durch Bildverkäufe finanzierte. Und als er Ende der 1970er Jahre seine zukünftige Frau, die Luxemburger Künstlerin Mathilde Roller, der Familie vorstellen wollte, bat seine Mutter ihn dringend darum, nun – angesichts der politischen Situation – vorerst in Europa zu bleiben. Bei späteren Besuchen erkannte er sein Land und die ihm vertrauten Menschen kaum wieder. Insofern ist er vielleicht leider doch durch die Höllen eines Dante gegangen … Dies sicherlich auch, als er erfuhr, dass sein stark an Poesie und Literatur orientiertes Frühwerk und jene Arbeiten, die er von seinen Reisen nach Hause geschickt hatte, dort verbrannten.

Insofern können wir in dieser Ausstellung `nur´ 45 Jahre der künstlerischen Entwicklung eines leidenschaftlichen, selbstvergessenen und dabei überaus disziplinierten Malers zeigen, der sich stets früh am Morgen ans Werk begab und sich bis in die späten Abendstunden hinein seiner Arbeit widmete. Seine technisch wie formal überaus differenzierten Bilder bedurften Konzentration und Zeit; viel Zeit.

Aber zurück zu Marios Aufbruch: in New York, wo er 1967 bis 1968 lebte, kam er aufs engste mit der Pop Art und der Hippie-Bewegung in Berührung. In Paris traf er 1968 auf dem Höhepunkt der Studentenunruhen ein. Der Maler reagierte intensiv auf die gesellschaftlichen und künstlerischen Eindrücke:

seine frühesten Bilder dieser Jahre erinnern an „Wandgemälde und Malereien, wie Diaz Suarez sie aus Süd- und Mittelamerika in Erinnerung gehabt haben mag. Zeichenhafte Sprache der Volkskunst“, Piktogramme (J. Kind, S. 33). Seine Werke um 1970 sind mit Schattenrissen verglichen (ebd., S. 34) worden, mit Comics, mit den Stilmitteln des Surrealismus und der Pop-Art. In jedem Falle handelt es sich um pointierte, gesellschaftskritische Werke  – oftmals mit sehr viel Witz, Hintersinn und einer eigenständigen Ikonographie.

Zwischen 1968 und 1977 stellte Mario regelmäßig in prominenten französischen Museen und Galerien aus. Es erschienen zahlreiche Besprechungen in einschlägigen französischen und englischsprachigen Zeitungen.

Auch während dieser Pariser Jahre unternahm der Künstler Ausstellungs- und Studienreisen. Sie führten ihn nach Amerika, nach Asien und nun vor allem durch Europa. Er stellte dort aus, war aber vor allem interessiert daran, die Kunstwerke in den Museen und Galerien zu studieren. Und: er erlebte dabei unterwegs eine geordnete, kleinteilige Kulturlandschaft, die so ganz im Gegensatz zur wilden Natur stand, die er aus seiner Heimat kannte. Die „Kunst ins Blaue zu reisen“, nannte er das.

1973-1976 war er Dozent an der Luxemburger Sommerakademie und 1976 Mitbegründer der später so genannten Europäischen Akademie für bildende Kunst in Trier, an der er bis 1991 unterrichtet hat.

1977 verlegte der Maler sein Atelier von Paris nach Trier. Unterdessen hatte er die Künstlerin Mathilde Roller kennengelernt, mit der ihn zeitlebens nicht nur eine Ateliergemeinschaft verband. Und nun, in Deutschland, wohin das Paar ging, begann auch eine Zeit neuer Bilder. Es ist das beeindruckende Erlebnis der europäischen Landschaft, das von nun an Marios künstlerische Phantasie, seine gekonnte Maltechnik und damit einen Großteil seiner Siebdrucke, Pastelle und Acrylbilder bestimmte.

Motive und Malweise veränderten sich damit stark. Waren zuvor das Piktogrammhafte, die Linie, die klare Abgrenzung wichtige (auch inhaltliche)  Stilmittel gewesen, so wird es nun der Farbfleck. Selbst wenn Mario Diaz Suarez ganz anders als die Impressionisten und Pointillisten arbeitete, nämlich vom Dunklen ins Helle, so befreite auch er die Farbe davon, Gegenstände kennzeichnen zu müssen. Erst die Gesamtheit der Farbpunkte oder -striche führt zur Einheit seiner Darstellung, in der die Farbe eine ganz neue, ungewöhnliche Intensität gewinnt: in „meinen reinen Landschaftsbildern ging es um die Illusion von Räumlichkeit, die ich versuchte, mit Farbe herzustellen“, so der Maler.

Und wie seine experimentellen Bildserien und Objekte zeigen, kann sich das Bildnerische selbst im und mit dem eigenen Medium thematisieren: so sehen wir `Bilder im Bild´, `das Bild dahinter´, Naturräume, die durch ein `Bild vor dem Bild´ verborgen werden oder Collagen, die die Landschaft mit völlig Naturfremden kombinieren. Mario Diaz Suarez sprach auch von „Landschaftsfaltungen“ oder „kristallinen Landschaften“. Indem er sich in dieser Weise mit Fragen der Visualisierung und der Wahrnehmung auseinandersetzte, wird deutlich, dass sein Œuvre auch nach 1976 „Reflexionskunst“ (Friedrich Meibert) blieb. Der Maler gab sie an den Betrachter insofern weiter, als er seinen Gemälden keine Titel gab und mögliche Assoziationen ganz bewusst offen hielt.

 

„In der Natur gibt es keine Linien“, sagte Cezanne und hat damit unser Sehen und unsere Wahrnehmung der Dinge verändert. Die vermeintlich gewohnte Welt ist vielmehr ein „Gefüge aus Flecken und Formen“ (Sedlmayr, S. 98), ein Raum der „Farbigen Fleckengefüge“. „Die Farbe befreit von ihrer Aufgabe, die Dinge zu kennzeichnen“ gewinnt mit dem Impressionismus „eine neue Intensität“. Ziel ist die „malerische Malerei“, bei der die Farbe „ein nie gekanntes Eigenleben“ führt. Man entdeckt dabei „das Reich der Farben an sich.“ Der Impressionismus „ist die Behauptung eines `reinen Sehens´“ zur „bedeutungsfreien, absoluten Malerei.“ Er ist eine „Kunst des Nur-Sichtbaren“ (S. 99);  so eine kluge Erklärung zum Impressionismus, an den man sich bei Marios Landschaftsbildern allzu schnell erinnert fühlen mag.

Mario indessen ist völlig anders vorgegangen und hat anders gearbeitet: Er war er kein Plein-Air-Maler, der seine Studien vor der Natur aufnahm oder im Freien vollendete. Er war ein Suchender und ein Sammler; ein Sammler von Eindrücken, die er emotional, intellektuell und mit handwerklicher Meisterschaft verarbeitete. Dabei stellten sich Übereinstimmungen ein, vor denen er sich nicht scheute.

Dass der Stil einer vergangenen Epoche zur `Wahlverwandtschaft´ werden kann, das zeigt seine Entwicklung spätestens seit 1976. Goethe, dem wir den Begriff „Wahlverwandtschaften“ verdanken, meint damit den „Faden der Neigung und Anhängigkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet.“ Es ist damit eine Geistes- und „Seelenverwandtschaft“ gemeint, eine Anziehungskraft, die für Mario außerordentlich groß gewesen sein muss. Denn aus der Affinität zu den bedeutenden Franzosen des späten 19. Jahrhunderts entstehen die wichtigsten Bilder von Suarez – die Bilder, die man für die charakteristischsten seines Werkes halten kann.

Es zeigt viel vom künstlerischen Selbstverständnis des Malers, dass er die Attraktion eines Stiles des 19. Jahrhunderts in Zentrum seines Werkes stellt:

er macht sich ein Bild von der Vergangenheit, jedoch so, wie es im Roman von Goethe heißt: aus „der innigsten Verbindung“ mit dem Alten tritt etwas in „neuer, unerwarteter Gestalt hervor“. Und mit Goethe, den ich deshalb so gerne in Zusammenhang mit Mario Diaz Suarez zitiere, heißt das künstlerische Prinzip: „Aus dem Alten nach dem Neuen arbeiten“.

Die Bilder von Mario Diaz Suarez  sind also nicht Ausdruck des Mangels, sondern bezeugen die ungebrochene Kraft der großen Franzosen, deren Landschaftssicht durch einen Argentinier in „neuer, unerwarteter Gestalt“ (Goethe) hervortritt. Im imaginären Museum der Kunst gibt es einen unendlichen Dialog der Künstler, unzählige Wahlverwandtschaften, die den Reichtum der Kunstgeschichte ausmachen: Leonardo lässt sich auf einen Dialog mit Mantegna ein, Tizian auf Raffael, Rubens auf Tizian, Francis Bacon auf Velasquez, Manet auf Giorgione, Mario Diaz Suarez auf Monet.

 

„Marios Kunst wirkt auf mich zunächst nicht zeitgenössisch. Sei scheint auf den ersten Blick  nicht in den gängigen Trends zu liegen“ schrieb ein Freund von ihm in einem Katalog aus dem Jahre 2005 (J. Kind) Ja, es stimmt schon, denn gängigen Trends folgte Mario ausdrücklich nicht, aber warum sollte er deshalb nicht „zeitgenössisch“ wirken und nicht „zeitgenössisch“ sein?

 

Tatsächlich; Suarez Bilder entziehen sich den „gängigen Trends“ und offenbaren dabei eine Kunst des reflektierten Rückgriffs und ein überaus neugieriges Auge auf das, was das alte Europa dem Lateinamerikaner zu bieten hat.

Hat Mario Diaz Suarez nicht vielleicht eine Einstellung übernommen, die Bertolt Brecht in unnachahmlicher Derbheit so formulierte: „So schmeiße ich euch die Historie hin: Freßt sie, Kinder! Aber schluckt nicht eure eigenen Zähne mit hinunter.“ Brechts Empfehlung an die jungen Maler, die alten Kunstwerke nicht nur zu interpretieren, sondern sie wie alte Autos auszuschlachten, wirkt zwar wie eine brutale Handlungsempfehlung, ist aber ein uraltes kunsttheoretisches Postulat, das auch Suarez übernommen hat. Es ist das Postulat, das der britische Maler Joshua Reynolds in einer seiner Akademievorlesungen im 18. Jahrhundert unübertrefflich präzise so formulierte: „Das tägliche Brot und die geistige Nahrung des Künstlers liegen in den großen Werken seiner Vorgänger.“

Mario Diaz Suarez tat das, was Künstler im besten Sinne immer taten; nochmals ein Zitat von Reynolds: „Er sollte in einen Wettbewerb mit seinem Vorbild eintreten.“

Was Jahrhunderte lang eine kunsttheoretische Selbstverständlichkeit war, hat sich Mario wieder angeeignet, ohne dass er Londoner Akademievorlesungen des 18. Jahrhunderts studieren musste. Er hat etwas ganz Selbstverständliches, aber hierzulande gänzlich Vergessenes getan und dabei wunderbare Bilder geschaffen, die leicht und sommerlich wirken, aber hart erarbeitet sind.

Wie konnte man nur dem Irrglauben verfallen, bei Null anzufangen, das Rad der Kunst neu zu erfinden? Die Geschichte der Kunst ist immer in Bewegung. Es gibt keinen Nullpunkt. Die Geschichte der Kunst – das zeigt die Lektion von Mario Diaz Suarez – ist eine Kette von Anregungen, Vermittlungen, Impulsen, wohlmeinenden Ratschlägen und generösen Unterstützungen. Sie ist eine Kette ununterbrochener Wahlverwandtschaften, aus denen wiederum etwas Neues und Unerwartetes hervorgehen kann.

 

Dr. Barbara Mikuda-Hüttel                  

                                                       

Mario Diaz Suarez – ein Weltbürger in Trier

 

1940 in Argentinien geboren, in den turbulenten 1960er Jahren ein Jahr lang durch Süd- und Zentralamerika gereist, im Anschluss daran ein Jahr in New York gelebt. Schließlich der große Schritt über den Atlantik, ab 1968 mit eigenem Atelier in der inoffiziellen Künstlerhauptstadt der Welt, Paris. Doch auch sein persönliches Mekka lässt ihn nicht sesshaft werden, er reist zurück in die USA, nach Südamerika und Asien, bereist den Balkan und den vorderen Orient. Dass Mario Diaz Suarez als weit gereister Weltbürger 1976 im beschaulichen Trier heimisch geworden ist, stellt sich als großer Glücksfall für die Stadt heraus. Als Mitbegründer der Europäischen Akademie für Bildende Kunst und jahrelanger Dozent hat er wesentlich zur Etablierung der Marke „Kulturstadt“ Trier beigetragen.

 

Mario Diaz Suarez ist in seinen 70 Lebensjahren stets Weltbürger geblieben. Seine Bilder fanden ihren Weg immer an frühere Lebensorte zurück, besonders nach Paris und in seine südamerikanische Heimat. Aber in die Stadt Trier scheint er sich irgendwann verliebt zu haben, mehr noch: er wird in der Moselstadt sesshaft. Als Dozent für Siebdruck an der Europäischen Sommerakademie Luxemburg kommt er 1973 zum ersten Mal nach Trier und stellt ein Jahr später in der Galerie des Städtischen Kunstvereins im Palais Walderdorff zum ersten Mal aus.

 

Es ist Malerei und Serigraphie im Stile der Pop Art, die der Argentinier 1974 mit in die Römerstadt bringt. Seine zeit- und gesellschaftskritischen Themen aus diesem Lebensabschnitt spiegeln sich in seinen Bildern in hochironischer Art und Weise wieder. In Trier aber entstehen zunächst einmal Siebdrucke, bevor Mario Diaz Suarez die gesellschaftlichen und politischen Motive, inspiriert von den weltweit unruhigen späten 1960er Jahren, gegen neue Motive austauscht: Landschaften, die oftmals erst auf den zweiten Blick als solche erkennbar werden. Es gibt keine exakte Entsprechung der Natur, aber die dargestellten Motive und Themen sind der Natur entnommen: Bäume, Wege, Horizonte. Durch sein Spiel mit Farben und Formen verleiht Mario Diaz Suarez seinen Bildern atmendes, funkelndes Leben.

 

In Trier beginnt die Zeit der neuen Bilder, von denen Mario Diaz Suarez sagte: „Das Umfeld, das interessiert mich.“ Seine Bilder werden lebendig durch die malerische Behandlung der Farbe. In seiner letzten Schaffensperiode erstellt er imaginäre Landschaftsräume. Er geht nicht von der Natur aus, sondern lässt seine Landschaften aus der Phantasie heraus wachsen. Es gehört jedoch wenig Phantasie dazu, Mario Diaz Suarez als

große Persönlichkeit der Stadt Trier zu bezeichnen. Künstlerisch wie menschlich ist er eine absolute Bereicherung für unsere Stadt.

Daher gratuliere ich ihm an dieser Stelle von ganzem Herzen zum 70. Geburtstag und wünsche ihm gute Gesundheit und dass er unsnoch lange mit seiner Kunst erfreuen wird.

 

Ulrich Holkenbrink

Dezernent für Schulen und Kultur der Stadt Trier

 

MARIO DIAZ SUAREZ

 

Für das Publikum besteht Kunst natürlicherweise primär in den Kunstwerken selbst. Hinter den Werken steht dann immer auch ein Künstler, der sie gemacht hat; und dieser Künstler, sei er auch noch so genial, ist auch kein isoliertes Wesen, sondern ein soziales Wesen, ein historisches Wesen auch, denn er kommt irgendwo her, lebt in sozialen Lebensverhältnissen, in einer Stadt, in einem Land und in einer bestimmten Gegenwart, und auch diese Gegenwart steht nicht isoliert da, sondern sie ist aus einer geschichtlichen Vergangenheit hervorgegangen, und selbst ein Teil der allgemeineren Geschichte. Beim Blick auf die Werke von Mario Diaz Suarez erscheint das alles nicht so erheblich. Sie wirken ungewöhnlich selbstständig. Man denkt auch nicht gleich an die Künstlerpersönlichkeit, die sich hier ausdrücken möchte; – keine brennenden individuellen Ideen scheinen hier, keine subjektive Handschrift, sondern vielmehr ein fast elementares, selbständiges Fluidum der Farbpartikel. Die charakteristische Punkte- und Fleckentechnik von Mario Diaz Suarez besitzt ein stoffliches Wesen, das sich in einzelnen Bildern meist nur in Andeutungen zu individuelleren Gestalten zusammenfügen scheint. Zumeist zu Landschaften, die wie auf unscharfen Fotografien sich im homogenen Fluidum des malerischen Kornes erahnen lassen. Es ist so etwas wie eine autonome Malerei, die zu einem entscheidenden Teil fast ohne den Gestaltungswillen des Künstlers zustande zukommen scheint. Dass darin viel konkrete künstlerische Arbeit steckt, ist klar. Mario Diaz Suarez ist ein großer Arbeiter: Regelmäßig und täglich hat er seinen vielstündigen Arbeitstag, langsam, gleichmäßig und stetig. So wachsen diese Bilder Strich für Strich, Punkt für Punkt, Punktfeld für Punktfeld. Eben dieses stetige Wachsen ist nun auch wieder etwas fast Naturmäßiges, das einen Eigenwert jenseits des konkreten Gestaltungswillens besitzt: Paul Klee meinte, Kunstwerke müssten wachsen wie Korallenriffe, so gleichmäßig und nach ihren eigenen Gesetzen.

 

Auch in den Arbeiten von Mario Diaz Suarez haben wir Ähnliches: so etwas wie naturhafte, autonome Malerei, die aus dem elementarsten Malvorgang – Auftrag eines Farbflecks auf eine Fläche ihre wesentliche Substanz zieht: Das rhythmisiert sich, Bild für Bild, in unterschiedlicher Weise, organisiert sich nach diesem oder jenem farbigen Grundklang und erfüllt nach und nach das zu Beginn angelegte Gesetz.

 

Wie steht so etwas kunsthistorisch da? Jede Betrachtung wird auf Anhieb eine kunstgeschichtliche Assoziation entwickeln: “Impressionismus“. Gerade in den neueren Werken von Mario Diaz Suarez, wo hinter den farbigen Punktnebeln Landschaften sich ahnen lassen oder sogar in aller Deutlichkeit in Erscheinung treten, muss man an Monet und an Renoir denken.

 

Ist das nun einfach unzeitgemäß imitierter Impressionismus?

Ganz sicher nicht, aber logisches Weiterdenken eines malerischen Grundwesens, das die Impressionisten erstmals zum stilistischen Prinzip des Maiens überhaupt erhoben haben: Dass ein gemaltes Bild nicht, wie bei den Akademikern, eine figürliche Konstruktion haben muss, die dann farbig ausgefüllt ist, sondern dass die Farbsubstanz und der lebendige Vorgang des Malen selbst, soweit sie rein die Empfindung farbigen Lichts im Auge des Betrachters erwecken, die einzigen erzeugenden Mittel eines Bildes sind. Und indem das Malen, das fleckenhafte Farbaufsetzen, und das Sehen, das optische Wahrnehmen der Welt in bewegten Licht- und Farbflecken, so eng zusammen kommen – Sehen und Malen fast in eins fallen -haben die Impressionisten aus dem menschlichen Sehen selbst schon so etwas wie ein ästhetisches Erlebnis gemacht.

 

Geht Mario Diaz Suarez so vor? Es ist wohl so: Das sehen seiner Bilder ist dem Sehen impressionistischer Bilder verwandt. Das Auge genießt den Effekt der flirrenden Punkte, der Licht- und Farbenkörner, der Häcksel- und Kommastriche, der spektralen farbigen Nebelschwaden, wie sie etwa der späte Renoir entwickelt hat.

Das Aufregende aber ist, dass alles doch ganz anders abläuft als im Impressionismus. Hatten die Impressionisten das eiserne Gesetz, das natürliche Sehen zu dokumentieren, und haben sie deshalb kein einziges Bild gemalt, das nicht vom natürlichen Motiv ausgeht Porträt, Landschaft, Blumenstilleben, Straßenszene – so ist alles, was bei Mario Diaz Suarez gegenständlich erahnbar wird, reine Phantasie, sozusagen ein Traumgesicht, das sich aus der Malsubstanz wie von selbst verdichtet. Impressionistische Malerei dagegen ist immer wie ein schöner Schleier, der sich über eine vorhandene, harte Wirklichkeit legt.

Auch die Farbe ist anders gesetzt. Das fängt schon mit dem Malgrund an und gilt auch für die Pastelle – eine Gattung, die auch die Impressionisten (Renoir, Degas…) wiederbelebt haben. Die Impressionisten, deren Farbe ja in erster Linie optische Umsetzung des Sonnenlichtes sein sollte, haben lichthaft gemalt. Dieses Ziel erreichten sie unter anderem dadurch, dass sie als erste Malergeneration nicht dunklen sondern hellen Malgrund verwendet haben. Farbe auf weißem Grund gesetzt ist eine der Haupterneuerungen der Impressionisten. Mario Diaz Suarez macht das eben nicht: Er setzt die Pastellstriche zuallermeist auf dunkles Papier oder auf dunkel präparierten Grund: oft schwarz, aber auch braunrot oder ähnlich dunkel getönt; es gibt hier nur ganz wenig Beispiele mit hellerem Malgrund. Damit wird auch das Wesen des Farbstrichs ein ganz anderes: Farbe auf hell, das ist Licht, wie es im Tageslicht eben einfach da ist – Naturlicht. Farbe auf dunkel: das ist ein Ereignislicht. Die Farbe bekommt eine leuchtende Eigenkraft, wie wenn ein Leuchtpunkt angezündet würde. In diesem ganz anderen Wesen der Farbsubstanz unterscheiden sich Mario Diaz Suarez Bilder von jedem Impressionismus. Der Farbpunkt im impressionistischen Bild besitzt allgemein Lichtcharakter, der Farbpunkt Die Diaz Suarez besitzt einen energetischen, wertigen Eigencharakter, er “erscheint“ nicht einfach, er ist “gesetzt“, wie der Musiker eine Note setzt. Die mehr geistige, abstrakte Empfindungswelt der musikalischen Note passt außerordentlich gut zu den Pastellen, die auch abstrakte Empfindungselemente erzeugen und gestalten und eben letztlich nichts abbilden.

 

Der dritte Punkt, der nach dem Motivischen und dem Farblichen den Vergleich der Kunst von Mario Diaz Suarez mit dem Impressionismus interessant macht, ist der Weg, wie Diaz Suarez überhaupt zu dieser Bildform gekommen ist: Nicht auf dem Weg der langsamen malerischen Auflösung geschlossener Formen, wie seinerzeit die Impressionisten. Vielmehr ist sie eine Entwicklung geleitet aus einer Art innerer Vorliebe für optische Felder. Da schließen sich offenbar zwei Grunderlebnisse zusammen, die mit seinem künstlerischen Lebensweg zusammenhängen. 1967 – 1968 sein Aufenthalt in New York – damals eben die Hochburg der Pop Art. Auch Diaz Suarez hat Pop Art gemacht, und unter seinen Pop Art-Werken gibt es einige, die wie die bekannten Arbeiten Roy Lichtensteins den Rasterpunkt von Druckerzeugnissen vergrößern und damit interessante malerische Feldstrukturen hervorbringen. Dies geht einher mit manchen anderen Motiven, in denen sich schon früh eine persönliche Vorliebe für gestreute, gerasterte und gemusterte Feldwirkungen zeigt. Entscheidend ist dann natürlich die Etappe unseres Künstlers in Paris 1968 – 1977, wo er die Pariser Maltradition durchdrungen hat, die ja seit Delacroix eine farb-malerische ist, und die im Impressionismus klassische Vollendung findet. So kommt also aus den maschinellen Druckrasterbilder der Pop Art, vermischt mit dem malerischen Lichtfleck der Impressionisten, hier ein ganz eigenständiges Werk zum Vorschein, das in einer faszinierenden Konsequenz die Möglichkeiten, die malerische Fleckentechnik bietet, nach der Tiefe ausforscht. So verwandt die Werke von Diaz Suarez seit Jahren erscheinen: jedes ist anders. Man muss dieses Oeuvre wie mit dem Vergrößerungsglas ansehen, dann wird man wahrnehmen, wie es auf einer relativ schmalen formalen Bandbreite extrem in die Tiefe geht und ein ganz spezielles Prinzip, eben jenes des gestalteten Farbfeldes, mit aller Intensität ausforscht. Damit stellt es in der Tat einen bedeutsamen Beitrag zu einem der absoluten Grundelemente malerischen Schaffens dar.

 

 

Prof. Dr. Andreas Haus

 

Universität der Künste Berlin

 

Mario Diaz Suarez, globe-trotter intimiste

 

 

«Les Argentins, ce sont des Italiens qu’on obligé à parler espagnol…» Le peintre Mario Diaz Suarez est par essence un artiste à la croisée de toutes les cultures. Culture latino-américaine d’abord, puis New-Yorkaise, avant un bain de jouvence européen, avec au premier chef, l’immersion dix années durant, dans le milieu culturel parisien. C’est pourquoi il vit et travaille aujourd’hui à Trêves en Allemagne, mais possè de ses entrées et ses habitudes au Grand Duché du Luxembourg. Pour compléter le portrait de ce globe-trotter, disons qu’il a beaucoup visité également l’Orient, l’Inde, l’Asie, les pays de l’Est – à l’exclusion de la Russie – la Thaïlande, Sumatra, etc.

Cette énumération n’est pas énoncée par hasard, car elle offre d’évidence l’une des clés de la recherche si personnelle de l’artiste, qui depuis vingt-cinq ans, s’adonne, dans le secret de son atelier, à un travail exclusif sur le paysage.

 

Non pas une ode à dame nature, au travers de souvenirs, ni à partir de carnets de croquis ou d’esquisses, ni même de photographies. Ce qui mobilise l’artiste, c’est «son » paysage imaginaire, cela va de soi. Ses références à la nature ne puisent jamais leur genèse dans la description de tel site, connu, reconnu, ni même inconnu. Lui, trouve l’inspiration en son for intérieur. Il y trouve la vitalité poétique nécessaire à sa seule création picturale. Les paysages décrits avec verve, enthousiasme, bonheur, par Mario Diaz Suarez, ne doivent leurs envolées lyriques, qu’au seul rapport à l’être humain, à l’homme, à l’artiste.

Une quête d’autant plus troublante pour ce déraciné, aux confins de multiples cultures, qu’il les absorbe avec une évidente facilité, pour mieux s’en nourrir.

Mario Diaz Suarez est né en 1940 à Tucuman, en Argentine «un peuple sans origines». Il aime à citer son ami l’écrivain Julio Cortazar, compagnon de jeunesse au temps de la bohème parisienne: «Les Mexicains descendent des Aztèques et des Mayas, les Péruviens odes Incas, les Argentins descendent d’un obateau!» L’ombre de l’Espagne conquérante reste douloureusement omniprésente!

 

Dans les années cinquante à soixante, Mario Diaz Suarez découvre la peinture et particulièrement l’impressionnisme dans des livres à l’impression… en noir et blanc. Frustration légitime. Faut-il se réclamer d’un art latino-américain, d’un art argentin, ou d’un courant se réfugiant dans une tendance plus régionaliste. Le jeune Mario penche pour l’ouverture et le concept latino-américain. Il a été élevé à l’art par un professeur qui prônait le classique et assénait cette vérité à ses étudiants: «Vous devez travailler comme cela. Apprenez les bases du classicisme, après vous ferez ce que vous voudrez, du moment que vous avez appris à peindre, à dessiner. C’est ainsi que Mario s’initia au dessin à la loupe, lorsqu’il faut agrandir le moindre détail, d’un plâtre, d’un insecte….»

Il entame alors son premier long périple à travers l’Amérique du Sud et le continent Américain. Deux ans et demi d’un périple de véritable routard pour ce jeune homme parti à pieds, à la découverte de toutes les cultures. Il suffit de franchir le pont, celui de la Bolivie, pour découvrir que la vie peut être dure, très dure ailleurs. Il parcourt l’Amérique Centrale, le Pérou, l’Equateur, le Venezuela, la Colombie, le Mexique – mais pas Cuba – l’image emblématique de Castro, lui fermerait les portes de New York, où il arrive enfin à vingt-cinq ans. «J’y vivais de petits boulots» mais la vie s’y révèle difficile, et des cohortes de rapins en mal de reconnaissance battent la semelle sur le pavé. C’est aussi la grande période des mouvements hippies. «La situation économique est très mauvaise, on va en Europe» le décide un ami. Et voici Mario Diaz Suarez débarquant à Paris un certain 11 mai 1968.

 

De cette époque il conserve le souvenir des manifestations estudiantines: «Durant une semaine on a vécu à la Sorbonne, on avait d’ailleurs pas d’autres endroit où aller!» Très vite il entre en contact avec les milieux artistiques argentins, outre l’écrivain Julio Cortazar, les peintres Antonio Segui, Julio Le Parc le cinétiste, Gabriel Garcia Marquès, il croise Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, participe à la peinture du mur du Centre Américain, au temps de la rue Raspail. Et surtout il se souvient avec émotion du temps des copains et de l’amitié dans le joli quartier de la Contrescarpe. «L’été je vendais mes dessins sur le trottoir boulevard Saint Germain, cela me permettait de vivre toute l’année!» Il fréquente les premières Maisons de la Culture initiées par André Malraux, possède un atelier à Montparnasse, rue Campagne-Première, expose à Grands et Jeunes d’Aujourd’hui, et dans bien d’autres Salons. Il fait partie d’une galerie très animée, très vivante, celle de Françoise Paluel, rue de Quincampoix, à deux pas du Centre Beaubourg en compagnie de Pincemin ou d’Estève.

Dix ans de vie parisienne riche et active, mais soudain le destin de Mario Diaz Suarez prend un autre chemin. A l’occasion d’une exposition au Luxembourg, il est amené à rencontrer d’autres artistes, qui vivent sur les bords de la Moselle. Il découvre que les conditions de vie y sont meilleures pour les jeunes artistes qu’en France. Un temps il se partage entre Trèves et Paris où il garde son atelier, mais la roue tourne ….

Surtout il s’est découvert une expression qui lui colle à la peau, un travail imaginaire sur le paysage intérieur. «Je peignais dans les montagnes en Suisse en compagnie d’un couple de Hollandais, lorsque je me rendis compte que ce qui me parlait, ne n’était pas les grands horizons environnants, mais ma propre perception d’un monde intériorisé.» C’est là tout le secret d’un art étrange, loin de tous sentiers battus. Mario Diaz Suarez a l’art de peindre ses fantasmes, en lumineuses symphonies recomposées par la magie d’une architecture qui recadre chaque æuvre. Le monde si particulier de cet artiste doit tout au songe, au rêve, mais est aussi peuplé de références. C’est un plaisir que de découvrir «à livre ouvert» ce témoignage rayonnant, d’une facture qui délibérément se place à contre-courant des modes. «Cela n’a aucune importance, c’est ce que j’ai toujours voulu faire». C’est une évidence, sa peinture ne saurait vieillir, puisqu’elle refuse obstinément de se laisser enchaîner dans le carcan des idées reçues. Depuis un quart de siècle ce peintre argentin passé par la mouvance parisienne, se mesure sur les bords de la Moselle avec son univers, qui c’est une certitude, ne sera jamais qu’à lui. Pour aller plus loin encore, Mario Diaz Suarez enfonce le clou, faisant éclater l’architecture, hors la toile, il crée dans l’espace, sur des cubes en bois, des paravents, tout ce qui lui offre une occasion nouvelle d’investir notre environnement quotidien avec ses armes à lui: décomposer le paysage intimiste, entamer un discours sans fin avec le rêve impalpable, garder intact le pouvoir de séduction premier de l’art, étonner!

 

 

 

Rémi Parment

Critique d’Art Paris-Normandie

 

Kunst am Bau

Lichtquadrat in Nachtblau

 

 

Das Thema Kunst am Bau ist in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich durch die Stadt Trier mit Künstlerinnen und Künstlern der Region als ein wichtiger Beitrag zur Kunst im öffentlichen Raum und in gebauten Räumen entwickelt worden. In vielfältiger Weise wurden öffentliche Gebäude der Stadt Trier dauerhaft und durch fest mit den Gebäuden verbundene Kunstbeiträge gestaltet.

Auf diesem Wege wurde Kunst am Bau nicht nur den Förderrichtlinien gerecht, sondern stellt einen Beitrag zur Förderung insbesondere freiberuflicher Künstlerinnen und Künstler dar. Dabei kamen hier nicht nur künstlerische Beiträge in ganz unterschiedlicher Form und Ausgestaltung als Kunst am Bau zum Tragen, sondern Kunst am Bau wurde durch Visualisierung und ganzheitlich angelegte Konzeptionen zum Sinnbild der im Gebäude verankerten Funktionen.

Wie selbstverständlich entstanden dadurch auch Leitsysteme, die die Orientierung in den Gebäuden erleichtert und dem Nutzer einen visuellen Dialog mit der Kunst zum Beispiel auf dem Weg durch die Flure und Treppenhäuser offeriert.

 

So konnte es gerade bei gelungener Architektur als Baukunst zu einem Wechselspiel mit der Kunst am Bau kommen, die sich quasi in einer Symbiose gegenseitig bedingen und zu neuen Qualitäten gelangen. Dies ist umso mehr möglich, wenn der Kunst am Bau schon im Entwurfsprozess der Bauaufgabe eine entsprechende Bedeutung und gleichzeitig auch ein adäquater Platz eingeräumt werden. Dies setzt einen wechselseitig intensiven Prozess der Akzeptanz, Abstimmung und des Verständnisses der jeweiligen intendierten Gestaltungsüberlegungen und Ideen zwischen Architekt und Künstler voraus.

Gelingt dies in hohem Maße, so können Architektur und Kunst am Bau eine selbstverständliche und sich in ihren jeweiligen Wirkungen verstärkende Allianz der Sinne eingehen.

Hier in der Arena Trier, dem Ausstellungsort der Bilder von Mario Diaz Suarez können wir solch ein gelungenes Ergebnis zwischen Kunst am Bau und Architektur der Arena erleben.

 

Die riesige farblich gestaltete Betonwand im Eingangsbereich von Mario Diaz Suarez nimmt die Fassadengestaltung mit den farblich gestalteten Bändern und der Lichtarchitektur auf und variiert sie mit neuen Materialien und Farbtönen zu einer farbigen Komposition, die schon von weitem zu erkennen ist.

In der Dunkelheit erstrahlen die in rhythmischen Abständen angeordneten blauen Lichtquadrate und führen so in das Nachtblau des Himmels. Die Intensität der Farbe setzt sich auch im Inneren der Treppenhäuser fort. Jedes Treppenhaus wird durch die farbig gestalteten Flächen der

Stirnseiten zu einem eigenen Kunstwerk. Neugierig steigt man von Etage zu Etage den farbigen Wänden nach und entdeckt neue Kompositionen quasi eine farbige Himmelsleiter.

 

Mario Diaz Suarez ist es hier und auch an anderen gebauten Orten in der Stadt Trier in hohem Maße gelungen, Architekturräume durch seine Kunst zu beleben und sie der reinen Funktionalität zu entreißen, Ein sinnlicher Genuss, den Sie besonders hier im und am Gebäude und in seinen Bildern nachsteigen und vorbeipassieren lassen können.

 

Michael Strobel

 

(Michael Strobel war bis Ende 2004 Leiter des Hochbauamtes der Stadt Trier und fast 20 Jahre für die Gestaltung und Umsetzung von Kunst am Bau in der Stadt Trier zuständig)